Bier für die Region: Sappl Bräu aus Holzkirchen

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(c) Sappl Bräu, Holzkirchen

Zu Gast bei Wolfgang Sappl (24) und Hubert Poschenrieder (25)

Seit zwei Wochen gibt es kein Helles vom Sappl Bräu mehr. Die Holzkirchner Biertrinker haben die Getränkehandlungen leergekauft. Selbst Wolfgang Sappl hatte nur noch wenige Helle daheim. Nach meinem Besuch gab es auch diese letzten Flaschen nicht mehr. Dafür haben wir gesorgt. Ich war zu Gast bei den beiden Brauern. Nachschub wird es am Freitag geben. Dann werden Wolfi Sappl und Hubert Poschenrieder, die beiden Bierbrauer aus Holzkirchen, die auf sie wartenden 6.000 Liter abfüllen. Holzkirchen kann sich also freuen. Endlich wieder Sappl-Bier. Die Durstrecke ist zu Ende …

Holzkirchens Brautradition ist lang

Die heutige Vielfalt an Bieren ist unglaublich. Vor 700 Jahren war das noch ganz anders. Wer im 13. Jahrhundert im Landkreis Miesbach ein Bier bestellt hat, bekam einen Krug Tegernseer. Das Kloster Tegernsee war der weltliche Herr in der Region. Konkurrenz ließ man nicht zu. Erst rund 150 Jahre nach dem Erlass des Reinheitsgebotes von 1516 kommt Bewegung in den Landkreis. Vor allem in Holzkirchen. Da rüstet man im großen Stil auf. Am Ende des 17. Jahrhunderts gibt es gleich fünf Brauereien. Der Holzkirchner Marktplatz wird zum Mekka für Biertrinker. Wer einer Brauerei überdrüssig wurde, brauchte nur über den Marktplatz zu wanken und war schon bei der nächsten Brauerei. Man buhlte um die Gäste.

Fünf Brauereien, die miteinander konkurrierten.  Darunter das Hauslbräu, gegründet von Balthasar „Hausl“ Kirchmayer im Jahr 1672.  Später wurde es Opfer eines Brandes. Ebenfalls von einem Balthasar, allerdings einem Balthasar Mayr, kam das Postbräu. Mayr war Wirt und Wundarzt. Vermutlich bereits 1605 gebaut, wurde das Oberbräu von Bierbrauer Wilhelm Lechner im Jahr 1675 übernommen und zu einem starken Konkurrenten. Das Unterbräu von Jakob Praitenacher wurde ebenfalls zum Buhler um die Gunst der Gäste. Im Jahr 1690 bekommt zudem das Klosterbräu Braurechte durch das Kloster Tegernsee zugesprochen. Ein Ort und fünf Brauereien. Wahnsinn!

Nur Oberbräu hat überlebt

In die heutige Zeit hat es nur das Oberbräu geschafft. Die meisten Brauereien verschwanden im Laufe der Zeit. Einige fielen Bränden zum Opfer, andere gaben auf. 2007 stand die letzte Holzkirchner Brauerei ebenfalls vor dem Aus. Doch das Holzkirchner Oberbräu wurde durch die König Ludwig GmbH & Co. KG Schloßbrauerei Kaltenberg übernommen und vor der Insolvenz gerettet. Leider fristet die Holzkirchner Brauerei ein eher trostloses Dasein. Die Braustätte Holzkirchen wirkt wie ein ungeliebtes adoptieres Kind von der König Ludwig Brauerei. Das Ziel war „die vormalige Oberbräu zu einem Brau- und Logistikzentrum auszubauen“. So schreibt man auf der Homepage der Brauerei. Das Oberbräu als Braustätte hat dadurch sicherlich gelitten.

Eine neue Brauerei mit Holzkirchner Seele

Die Geschichte des Bieres in Holzkirchen hat also eine lange Tradition. Zwei junge Brauburschen möchten daran anknüpfen. Und haben nun ihr eigenes Bräu gegründet. Es nennt sich Sappl Bräu, benannt nach einem der beiden Bierbrauer. Wolfgang Sappl ist Holzkirchner. Mitbegründer Hubert Poschenrieder aus Ohlstadt (Landkreis Garmisch-Partenkirchen) wurde mit seinem Familienwappen auf dem Bieretikett verewigt.

Ich wurde von den beiden Bierbrauern eingeladen. Zur Verköstigung des Bieres. Und zu einer netten Plauderei. Wir haben die allerletzten Helle des ersten Suds getrunken. Und dann noch das Weissbier probiert. Es wurde ein netter Abend. Und vor allem sehr informativ.

„Ein Bier für die Region“

Der Empfang ist herzlich. Sie freuen sich über jemand, mit dem man über Bier reden kann. Es ist fast so, als würde man sich Jahre kennen und nun endlich wiedersehen. Und schnell kommt man natürlich auf Bier zu sprechen. Über ihre Intention eine eigene Braurei zu gründen und ihre Pläne für die Zukunft. Ja, eines ist gewiss. Das ist eine Brauerei mit Holzkirchner Seele. Sappl und Poschenrieder wollen nicht ein Bier aus der Region, sondern ein Bier für die Region. Das ist ihr erklärtes Ziel. Warum? Weil sie Bier lieben. Bierbrauer zu sein ist für sie eine Leidenschaft und eine Berufung.

Das Bier – wirklich gelungen

Sind sie stolz auf ihr Bier? Sicher sind sie das. Aber sie zeigen es nicht. Denn sie wollen vor allem eines: eine ehrliche Meinung. Ein wenig erinnern sie mich an mich selbst, als ich mein erstes Buch veröffentlicht hatte und gespannt darauf wartete, was die Leser dazu sagen.

Ich bin ehrlich. Ich rede kein Bier schön. Aber das ist bei diesem Bier auch nicht nötig. Wolfgang Sappl schenkt mir ein Helles ein. Eine „Feiramd Hoibe“ wie sie es nennen. Und es schmeckt gut. Sehr gut sogar. Ausgewogen und mit klarem Geschmack. Meinen Respekt haben sie. Dieses Bier klettert auf meiner Bestenliste ganz nach oben. Es ist ein Bier für den Ort. Kein besonderer Schnickschnack sondern eben Bier, wie man es von einem Hellen erwartet. Süffig und mit einem angenehm malzig-hopfigen Körper. Nichts dominiert. Ein Bier für jede Gelegenheit und für Jedermann. Genau so ein Bier benötigt Holzkirchen.

Von der Idee zum Bier

Sie erzählen mir vom Rezept und dem schwierigen Weg den richtigen Partner zu finden. Im Keller von Familie Sappl wurde ausprobiert. 50 Liter können sie dort maximal machen. Es hat eine Weile gebraucht, bis sie zufrieden waren. Dann nahmen sie das Rezept und gingen los. Am Ende entschieden sie sich für die Brauanlagen des Wildbräu in Grafing. Der beste Partner aus ihrer Sicht, solange sie keine eigenen Anlagen haben. „Du hast solange probiert, bis du zufrieden bist und hast dann ein Rezept in der Hand“, erklärt mir Wolfgang: „Aber am Ende spielen natürlich weitere Faktoren eine Rolle. Die Anlage natürlich. Und auch das Wasser! … das Rezept ist nicht alles!“ Aber in Grafing gelingt es ihre Idee von einem Holzkirchner Bier umzusetzen.  Der erste Sud umfasste 40 Hektoliter. Das sind 4.000 Liter.

Bier braucht seine Zeit

Sechs Wochen hat das Sappl Bräu Zeit zu reifen. Kein Tag früher wird abgefüllt. Auch wenn in Holzkirchen längst kein Helles mehr zur Verfügung steht. Sappl Bräu ist seit zwei Wochen ausverkauft. „Ja, man kann das Bier auch früher abfüllen“, erklärt mir Hubert Poschenrieder, aber darunter leidet der Geschmack. Und das soll natürlich nicht passieren. Ich frage nach. Kann es sein, dass es in Bayern größere Brauereien gibt, die das manchmal nicht einhalten? Mir fiel schon öfters auf, dass es bei einigen Bieren Schwankungen in der Qualität gibt. Was mich bei größeren Brauereien doch verwundert.  Man geht als Verbraucher doch davon aus, dass gerade diese Brauereien eine kontinuierlich gleichmäßige Qualität garantieren können. Poschenrieder bejaht. Manchmal habe er ein Helles in der Hand und rieche bereits: dass Bier hat leider nur zwei Wochen Zeit gehabt. Wer im großen Stil Bier deutschlandweit exportiert, der muss natürlich auch dafür sorgen, dass immer Nachschub da ist. Er glaubt, dass manche Brauereien dann eben auch mal schnell dem Bier nicht genug Zeit gibt. Mir leuchtet das ein.

Pläne für die Zukunft

Das große Ziel von Sappl und Poschenrieder: eine eigene Brauerei mit eigenen Anlagen. Vielleicht sogar ein Gasthaus mit Biergarten. Nein, streichen wir das „vielleicht“. Das ist das Ziel. Und Holzkirchen würde es gut tun. Holzkirchen hat eine lange Bier-Tradition, die leider sehr gelitten hat. Es wird Zeit, dass jemand daran anknüpft. Im Moment müssen die beiden sich jedoch erst einmal etablieren. Die nächste Abfüllung ist am kommenden Freitag. 60 Hektoliter und damit gleich mal 50 Prozent mehr als beim ersten Sud. Den darauffolgenden Sud wollen sie sogar nochmal verdoppeln. 12.000 Liter Bier. Ich bin mir relativ sicher, auch diese Menge an Bier wird in Holzkirchen schnell vergriffen sein. Die Bierbrauer müssen vor allem eines: ihren „Sud-Rhythmus finden“, wie sie es nennen. In jedem Fall kann ich für die kommende Woche nur empfehlen zuzuschlagen.

Braumeister Wolfgang Sappl (rechts) mit mir beim Weissbier

Mein Fazit:

Wolfgang Sappl und Hubert Poschenrieder sind nicht nur nette Gastgeber, sondern vor allem tolle Bierbrauer. Holzkirchen hat so ein Bier gebraucht. Ich werde das in jedem Fall weiter verfolgen. Wir bleiben in Kontakt. Ich möchte auf jeden Fall wissen, wie es weitergeht. Und wenn ich unterstützen kann, dann tu ich das gerne.

Weitere externe Artikel zum Sappl-Bier

Münchner Merkur: Holzkirchen hat eine neue Brauerei

Holzkirchner Stimme: Ein Bier für unsere Leut

Holzkirchner Stimme: Sind wir nicht alle ein bisschen Sappl?

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