Hasan Ismaik: Zwischen westlicher Moderne und arabischer Tradition

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Ein persönlicher Kommentar zu einem schwierigen Thema

Hasan Ismaik ist Investor des Fußball-Regionalligisten TSV München von 1860. Er hat Befürworter und Gegner. Vermutlich polarisiert kein anderer Investor so sehr wie der Jordanier. Die Fangemeinde ist gespalten. Ich werfe einen persönlichen Blick auf die arabische Welt in Deutschland. Ich bin Fan, kein Journalist. Und mein Blick ist lediglich meine Meinung. Die kann man teilen oder eben nicht. Für konstruktive Kritik und Meinungen bin ich dankbar. Auch ich lerne dazu.

Im Biergarten

In den Sommermonaten unseres schönen Bayerns sieht man in München und in den Bergregionen auch viele Araber. Jüngst erzählte mir ein Freund, der in einem Biergarten arbeitet, dass eine arabische Familie die gesamte Speisekarte herunter bestellte. Und von allem etwas probierte. Selbst Schweinefleisch war kein Problem. Allerdings aßen sie es nicht. Ein teurer Spaß. Trinkgeld ließen sie jedoch keines da. Und mein Freund wurde mehrmals darauf hingewiesen, er möge doch bitte nicht die Frau und die Kinder nach deren Wünschen fragen sondern ausschließlich der Mann. Es wäre respektlos. Mein Freund wollte nur höflich sein und hatte die Frau gefragt, ob sie noch etwas trinken möchte.

Klinik in Oberbayern

Und auch meine Cousine, die als Krankenschwester in einer bekannten Klinik arbeitet, erzählt mir von Arabern, die sich in der Klinik aufführen, als würde ihnen die Welt gehören. Wer sich mit den Kliniken im Oberland auskennt, weiß vielleicht sogar welche Klinik ich meine. Aber im Grunde ist es irrelevant. Es geht mir darum, was dort immer wieder passiert. Verschleierte Frauen, die auf einen Arzttermin warteten, dürfen nicht einmal angesehen werden. Und selbst wenn der Arzt kommt, sind die Männer spektisch und schauen genau, dass der Mediziner auch wirklich nur das anschaut, was ärztlich relevant ist. Vermögende Araber lieben die moderne Medizin Deutschlands, wollen aber, dass sich die Ärzte anpassen. Ein Araber bot sogar an, die Klinik zu kaufen. Das würde für arabische Patienten weitaus einfacher sein. So teuer könne eine Klinik ja wohl nicht sein.

Begegnung am Eibsee

Am schönen Eibsee hinter Garmisch-Partenkirchen sind im Sommer ebenfalls oft Araber. Vor zwei Jahren kam mir ein Araber entgegen. Er wolle mir einen meiner Husky abkaufen. Ich solle einen Preis nennen. Ich erklärte ihm, dass meine Hunde unverkäuflich sind. „Alles ist käuflich“, erwiderte er. Ich bot ihm an, dass er, seine Frau und seine Kinder die Huskys anschauen und streicheln dürften. Er ermahnte mich, dass ich kein Recht habe mit seiner Frau zu sprechen. Hatte ich gar nicht vor, aber sei’s drum. Aber meine deutsch-bayerische Gastfreundschaft war nicht mehr allzu groß. Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau, das gehört nicht zur Tradition und Kultur der Araber.

Ich war bereits in Arabien. Ich habe mich an die Regeln gehalten. Habe mich angepasst. Ich habe den Reise-Knigge für arabische Länder in und auswendig gelernt. Aus Respekt vor dem anderen Land. Ich war nur Gast und respektierte natürlich deren Bräuche und Sitten. Im Nachhinein fühle ich mich wie ein deutscher Trottel. Hier in Deutschland passt sich ein Araber, vielleicht sollte ich sagen ein arabischer Tourist, nur selten an.

Ich muss aufpassen. Natürlich will ich mit meinem Artikel in keiner Weise in die Karten irgendwelcher Rassisten oder Pseudo-Nationalisten spielen. Ich bin ein offener Mensch. Aber meine Einleitung ist wichtig um ein paar Sichtweisen zu verstehen. Und vor allem dürfen wir nicht alle über einen Kamm scheren. Es gibt regionale Unterschiede und auch die verschiedenen Länder haben unterschiedliche Regeln.

Gefangen zwischen Moderne und Tradition

Viele arabische Männer sind gefangen zwischen westlicher Moderne und arabischer Tradition. Sie sehen die Möglichkeiten, die der Westen mit sich bringt. Vor allem im Hinblick auf das Finanzielle. Aber sie halten an vielen arabischen Traditionen fest. Vor allem im Hinblick auf Frauen ist das ein schwieriges Thema und mit unserer westlichen modernen Welt wenig vereinbar. Nein, es ist nicht gewünscht, dass die Frau gleichberechtigt ist. Und auch sonst gibt es in den Emiraten Regeln, an denen man vehement festhält. Man möchte zwar so viel wie möglich von der Moderne des Westens profitieren, aber versucht auch durch Regeln dem Westen Grenzen aufzuweisen. Die von Hasan Ismaik verhasste 50+1 Regel des DFB ist in den Vereinigten Arabischen Emiraten ein wesentlicher, wirtschaftlicher Bestandteil. Abgesehen von den Firmen, die sich in den sogenannten Freihandelszonen befinden, müssen alle Unternehmen zu mindestens 51 Prozent einem Emiraten gehören. Ausgerechnet jemand, der in diesem Land wohnt, möchte nun in Deuschland gegen so eine Regel vorgehen. So eine Regelung wäre nicht zeitgemäß. Sie würde außerdem gegen europäisches Recht verstoßen. Vielleicht hat er mit Letzterem sogar recht. Das ist Teil unseres Schicksals, das wir selbst gewählt haben. Wir wollten die Globalisierung und wir wollten viele Entscheidungen an Europa abtreten. Nun, wir wissen alle, dass es mit Europa im Moment so eine Sache ist. Nicht alles läuft glatt. Und viele Entscheidungen, die für ganz Europa plötzlich entschieden werden, sind in Deutschland eher fragwürdig. Aber das ist eine andere Thematik. Interessant ist für mich vielmehr, dass uns ein Araber erklärt, was gerecht ist und was nicht. Ich denke nicht, dass er als Jordanier auch den Chalifa bin Zayid Al Nahyan, den Herrscher von Abu Dhabi und Präsident der Emirate mit einer Klage gegen 50+1 konfrontiert.

Ein moderner Araber?

Bei Hasan Ismaik bin ich immer so ein wenig gespalten. Er gibt sich modern. Das ist bei Arabern allerdings oft so. Und ich möchte keine politische Diskussion. Meine Person möchte vor allem verstehen. Weil es eine Herzensangelegenheit ist. Ich habe keine Angst, dass Hasan Ismaik uns ein Stadion baut, einen Löwenpark noch dazu stellt und schließlich noch eine Moschee hinstellt. Ich glaube ihm durchaus, dass seine Ambitionen sehr westlich orientiert sind. Und es ist egal, woher er kommt, welche Religion er hat und welcher Nation er angehört. Zumindest sollte das für uns Deutsche ein wenig egal sein. Aber den Tonfall, den er anschlägt, der Hunger nach Macht und alleinigem Besitz, das alles klingt doch sehr nach arabisch-männlicher Tradition und Kultur. Für mich sind Worte wie „ich bin ein Fan wie ihr alle“ wenig glaubhaft.

Das Streben nach alleiniger Macht und das erschreckt mich, kommt bei einigen Fans gut an. Kommt mir irgendwie bekannt vor …

Mein Gefühl

Ich möchte den Verein nicht aus der Verantwortung nehmen. Es wurden jahrelang Fehler gemacht. Aber im Hinblick auf den Investor habe ich ein klares Bild. Hasan Ismaik mag sich noch so als moderner, aufgeklärter und offener Araber präsentieren, seine Worte sind immer wieder sehr arabisch und traditionell. Vielleicht kann er froh sein, dass er eine Agentur beauftragt hat, die zumindest ein wenig filtert. Und auch einige Portale scheinen den Araber in einem glänzenden Licht dastellen zu wollen, während die Presse in der Zwischenzeit sehr vorsichtig geworden ist. Aber bei allen Worten, die auf Zusammenarbeit, Gemeinsamkeit und Fanbasis herauslaufen. Die zum träumen anregen. Zum Träumen vom eigenen Stadion, Löwenpark und Hotel. Immer wieder hört man einen klaren Tonfall heraus: ich möchte ganz klar die vollkommene Kontrolle über diesen Verein. Dass er weitere Investoren akzeptieren würde, das lese ich zwar, höre aber etwas ganz anderes. Und auch die positiven Worte Richtung Geschäftsführer Markus Fauser wirken irgendwie gestellt. Vor einigen Tagen hat er noch über den Mann, weil der nur die Insolvenz will, geschimpft. Klar gibt es Möglichkeiten, wie man Brücken schlagen kann zwischen westlicher Moderne und arabischer Tradition. Aber im Moment sehe ich keine Partei in der Lage diese Brücke zu schlagen.

Bin ich voreingenommen? Mag sein. Der Leser ist ohnehin verpflichtet sich darüber seine eigenen Gedanken zu machen. Ich bin kein Journalist. Ich gebe lediglich meine Meinung als Fan wieder.

Externe Links zu Presseberichten

TZ: Ismaik schießt gegen Hauptsponsor – Vorwurf an 1860

Welt: Bei 1860 wird der Verein geführt wie eine Würstchenbude

Spiegel: Ismaik will alleinige Kontrolle über 1860 München einklagen

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[…] Leute zu sein. Viele, sehr viele Worte. Im Grunde bestätigt das meinen Beitrag über „westliche Moderne und arabische Tradition„. Es passt einfach nicht. Unsere Vorstellungen sind zu […]

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