Der moderne Fußballfan: hetzen in der Anonymität

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young cow isolated on white

Ich diskutiere nicht mit einem Rindviech

Es ist nicht noch gar nicht allzu lange her. Ich schreibe ein Kommentar in den sozialen Medien über den TSV München von 1860. Als einfacher Fan. Mit durchaus kritischen Worten, aber meines Erachtens wohl überlegt. Grundsätzlich überlege ich mir, bevor ich auf „senden“ drücke zwei Dinge: (1) steht dort nun wirklich, was ich denke und (2) kann ich davon ausgehen, dass es andere User im Netz verstehen. Denn das ist das Problem im sozialen Netzwerk. Mimik und Gestik fallen weg. Das, was ich „sagen möchte“, wird auf einen reinen kurzen Text beschränkt. Soweit so gut. Ich drücke auf senden und prombt kommt eine Reaktion. Ich lehne mich zurück. Sehe wie die „Daumen hoch“ mehr werden und lese mir Kommentare zu meinem Beitrag durch. Einige Kommentatoren kenne ich, andere nicht. Und schließlich kommt ein Kommentar von einem Rindviech.

Im Grünwalder Stadion ersticken?

Dieses Rindvieh wettert los. Erst einmal kommt ein „Daumen runter“ oder ein zorniges Smiley. Was weiß ich. Und dann kommen die Kommentare.

Ich hätte wohl mal wieder ein Weissbier zuviel.

Ich hätte keine Ahnung von Fußball.

Ich wäre ein ewig Gestriger!

Ich solle doch bitte im Grünwalder Stadion ersticken.

Nein, es ist natürlich kein Rindviech, das da hinter seinem PC oder hinter seinem Handy sitzt. Allerdings hat der User tatsächlich als Profilbild den Schnappschuss einer dämlich grinsenden Kuh gewählt. Und nun schimpft er über meinen Beitrag.

Ok, Moment, Kamerad. Ich kenne dich nicht. Dein Profilbild zeigt ein Tier und dein Nutzername ist wohl kaum der, den deine Mutter einst für dich ausgedacht hat. Prinzipiell bin ich ja ein Befürworter von einer gewissen Anonymität im Internet. Aber der Punkt ist, dass ich mir eines klar machen muss. Wenn ich hier anfange zu diskutieren, dann geht das nach hinten los. Mit so jemand ist keine gesunde Diskussion möglich. Und das ist der Punkt: gerne versteckt man sich hinter der scheinbaren Anonymität des Internets und wettert darauf los. Und viele vernünftige Nutzer sind schnell dabei sich zu wehren. Sie antworten und kommen dann in einen Strudel unsäglicher Sinnlosigkeit. Auf der einen Seite verständlich. dass sie sich wehren. Auf der anderen Seite: mit einem Rindvieh lohnt es einfach nicht zu diskutieren.

Die Hetze auf Foren: Propaganda ohne Methodik

Es gibt verschiedene Blogs rund um Fußball. Manche sind deutschlandweit, andere speziell für einzelne Fußballvereine. Natürlich gibt es so etwas auch für Sechzig. Und was man da alles sehen muss, das ist unglaublich. User, die sich selbst Fans nennen und fast schon im Minutentakt hetzen. Unabhängig jetzt mal von der Richtung. In jede Ecke wird gehetzt und beleidigt. Es spielt dabei für einige überhaupt keine Rolle, dass der Gegenüber eigentlich ein Fan des gleichen Vereins ist. Jüngst schrieb einer, dass er hoffe, dass die IS beim nächsten Terroranschlag doch bitte das Präsidium des e.V. erwischen möge. Wow, da habe ich geschluckt. Ein Einzelfall? Leider nicht. Manche Forenbetreiber verbringen ihre meiste Zeit wohl damit Kommentare zu löschen. Netiquette? Kennen manche nicht. Vor allem nicht in der Anonymität. Obwohl selbst einige mit Klarnamen glauben, dass im Internet Narrenfreiheit herrscht.

Hast du es gewusst? Netiquette ist kein Abendkleid

Schadet das dem Verein? Ich denke ja. Mehr als der Journalismus, der von vielen Fans kritisiert wird. Oder vom Verein ausgesperrt wird, weil sie immer gegen Sechzig schreiben. Nun ja, wir haben ja nicht mal unsere eigene Fans im Griff.

Kritik ja – aber im richtigen Ton

Nicht falsch verstehen. Kritik am Verein ist durchaus berechtigt. Schaut man auf die vergangene Saison, dann kann man stundenlang darüber diskutieren, was in diesem Verein falsch lief, vielleicht im Moment immer noch falsch läuft und was vielleicht Falsches auf uns zukommt. Aber doch bitte wenigstens ein wenig konstruktiv. Ich kann grundsätzlich in der Zwischenzeit keinem jungen Fan raten in irgendeinem Forum seine Meinung zu sagen. Da herrscht ein offener Krieg unter Fans. Emotionen sind durchaus auch etwas Positives. Aber diesen Grabenkampf, den manche schon verinnerlicht haben und jede Minute ihres Lebens damit füllen, der ist definitiv nicht gesund. Bei Manchen habe ich das Gefühl, sie machen den ganzen Tag nichts Anderes als zu schimpfen.

Ein Sechzger schimpft gerne. Meine Güte, ist auch verständlich. Wir sind oft die Prügelknaben und wir müssen damit umgehen. Aber nicht so. Ich kann nur wirklich jedem empfehlen jeden zu ignorieren, der beleidigend oder ausfallend wird. Auch wenn wir tief gefallen sind und im Moment quallvolle Stunden erleben, sollten wir doch den Respekt wahren. Gegenüber anderen Fans und auch gegen Funktionäre. Im Übrigen gilt es auch für Journalisten, Blogger und Funktionäre, die Beleidigungen als Satire tarnen. Das hilft denjenigen, die in der Anonymität dies zu ihrem Vorteil nutzen. Ich persönlich finde, dass man damit Öl ins Feuer gießt. Und das sollte man tunlichst vermeiden.

So … und jetzt darf der anonyme Shitstorm beginnen …




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