Blindverkostung von Kellerbieren

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Drei unfiltrierte Biere gehen ins Rennen

Ganz ehrlich, der große Freund von Kellerbieren bin ich eigentlich nicht.  Aber vielleicht habe ich das richtige Kellerbier noch nicht gefunden, mag sein. Ich habe ein gewisses Gefühl für Helle, für Weissbier und auch für die meisten Craft Biere. Kellerbier hört sich gut an. Aber interessiert habe ich mich bislang noch nicht dafür. Deshalb wurde es Zeit für einen Test.Was ist Kellerbier?

Ganz ehrlich, ich weiß es nicht. Ich musste auch erst nachschlagen. Und das habe ich gefunden: Das Bier wird nicht gefiltert und nicht gespundet. Du verstehst nur Bahnhof? Gespundet, das heißt: bei der Nachgärung wird dem Bier fast kein Gegendruck entgegengesetzt. Bier wird beim Spunden in einem druckdichten abgeschlossenen Faß kontrolliert carbonisiert, damit Kohlendioxid im Bier gelöst wird.

Du verstehst immer noch nur Bahnhof? Ich werde mir in den kommenden beiden Wochen einen der Braumeister, die ich kenne, zur Brust nehmen. Vielleicht kann mir einer von ihnen für Normalsterbliche erklären was nun wirklich Kellerbier ist. Das Kellerbier ungefiltert ist, dass ist klar. Zudem hat es weniger Kohlensäure. Das habe ich bei der Verkostung auch gespürt.

Die Verkostung – drei mir unbekannte Biere

Es war meine erste Blindverkostung und ich war sehr gespannt. Drei Biere ließ ich mir vorsetzen. Ich wusste dabei am Anfang weder den Namen, noch die Marke. Ich wusste nur, dass es drei Kellerbiere sind. Und nicht einmal das. Es konnte durchaus sein, dass mir jemand ein Helles oder ein Weissbier unterjubelt. Einfach nur um mich völlig durcheinander zu bringen. Aber das war, Gott sei Dank, nicht der Fall.

Ausgewählt wurde eine interessante Mischung:

Franziskaner Kellerbier aus München. Ich hatte es bereits getrunken. 2016 wurde es zu Ehren des 500 jährigen Jubiläums unseres Reinheitsgebotes zum ersten Mal gebraut. Zum ersten Mal getrunken habe ich es in Garmisch-Partenkirchen beim dortigen Pizza-Hut. Der hatte es im Jubiläumsjahr sehr schnell in seinem Verkauf gehabt. Die Pizza im Pizza-Hut Garmisch-Partenkirchen war übrigens grausam. Sie schmeckt vor allem nach Ketchup. Keine Ahnung wer auf die Idee kommt Ketchup auf die Pizza zu hauen, aber vielleicht hatte ich einfach nur Pech. Einen zweiten Besuch dort erspare ich mir. Und es liegt nicht am Bier. Wie auch immer. Es geht nicht um Pizza, sondern um das Bier.  Das Franziskaner Kellerbier hat 5,2 Prozent. Der Hopfen kommt, wie bei vielen Bieren, aus Hallertau. Natürlich wusste ich nicht was im Glas war.

Hacker Pschorr Kellerbier. Auch eine Münchner Brauerei. Wirbt gerne mit dem „Himmel der Bayern“. Nun, das Kellerbier hatte ich bislang noch nicht getrunken. Aber gegenüber Hacker Pschorr habe ich eine gewisse Abneigung. Weil man uns in der Allianz Arena dieses Bier immer vorgesetzt hat. Für einen unverschämten Preis. Und ich habe dieses Bier zumindest in der Arena nie gemocht. den Preis hätte ich mir ja noch gefallen lassen, aber dass was in den Plastikbechern dann verkauft wurde: für mich grausam. In jedem Fall ist das Kellerbier mit seiner honiggoldenen Farbe und einem Alkoholgehalt von 5,5 Prozent das zweite Bier im Bunde. Als Hopfen wird Hallertauer Tradition und Hallertauer Herkules angegeben. Als Malz die Gerstensorten Marthe, Grace und Catamaran.

Das dritte Bier kommt von Oettinger. Ich gebe zu, ich hatte eine gewisse Abneigung gegenüber dieser Brauerei. Gut, dass es eine Blindverkostung war. Otteinger ist eine Brauereigruppe. Neben Oettingen in Bayern gibt es auch in Ghota, Mönchengladbach und in Braunschweig Brauereien von Oettinger.  Mit fast 6 Millionen Hektolitern gehört sie zu den großen Brauereigruppen. Von 204 bis 2013 war es das meistgetrunkene Bier in Deutschland. Das Erfolgskonzept ist der niedrige Preis. Meine Abneigung zum Oettinger tat dem Test aber keinen Abbruch, da ich ja nichts sehen konnte. Übrigens: 5,6 Prozent und damit am meisten Alkohol in dieser Runde.

Der Test – die Blindverkostung

Drei Biere und ich weiß nur eines: es sind Kellebiere. Die Marken kenne ich nicht. Und ich bin überrascht über den Ausgang. Ich war felsenfest überzeugt, dass das Oettinger deutlich verlieren würde. Aber das war nicht der Fall. Im Gegenteil. Meine Bewertung fiel überraschend positiv aus.

Aber nun zum Test und meiner Bewertung. Drei Gläser in drei Bieren. Sehen konnte ich nichts. Nur riechen und schmecken.

Hacker Pschorr

Das Hacker Pschorr war für mich das mildeste Kellerbier. Es kommt recht sanft für ein Kellerbier daher. Das Malz ist angenehm auf der Zunge zu spüren. Das Hacker Pschorr ist übrigens das einzige Bügelbier in der Testreihe. Das erfahre ich jedoch erst später. Meine Bewertung: immerhin 5 von 10 Hopfen.

Franziskaner Kellerbier

Enttäuscht bin ich vom Kellerbier aus der Franziskaner Brauerei. Es ist malzig, hat aber ein wenig eine stärkere Säure als das Hacker Pschorr. Anfänglich empfinde ich einen etwas metalligen Geschmack, der jedoch ein von Schluck zu Schluck nicht mehr ganz so aufdringlich wirkt. Dennoch bin ich nicht zufrieden. Nein, dieses Bier überzeugt mich nicht wirklich. Meine Bewertung: 4 von 10 Hopfen.

Oettinger Kellerbier

Das Oettinger Bier. Niemals hätte ich mir dieses Bier gekauft. Doch ich bin absolut überrascht. Ein angenehmer Geruch. Und der Geschmack ist nicht schlecht. Im Dreier-Team der heutigen Runde wirkt das Oettinger am Kräftigsten. Mit einer guten Malznote und einem dezenten Hopfenanteil. So richtig überzeugt mich auch Oettinger nicht von einem Kellerbier. Aber in dieser Reihe gewinnt klar dieses Bier. Vor allem der Abgang ist lange und anhaltend. Gegenüber den beiden Kontrahenten hat es mehr Aroma. Ich gebe 6 von 10 Hopfen. Ich denke, dass ein richtiger Kellerbier-Fan hier vielleicht mit der Bewertung noch großzügiger wäre. Aber ich weiß es nicht.

Mein Fazit

Ein Kellerbier-Fan bin ich immer noch nicht. Aber es gibt ja noch viele weitere Sorten und so schnell gebe ich nicht auf. In jedem Fall bin ich überrascht, dass das Oettinger so gut abgeschnitten hat. In der Zwischenzeit habe ich im Internet nachgelesen, dass die Brauerei z.B. mit dem Kellerbier tatsächlich andere Wege geht. Dennoch ist das Bier recht günstig und reiht sich damit zumindest preislich in die anderen Sorten der Brauerei ein.

Blindverkostungen sind übrigens gar nicht so einfach. Probiert es einfach mal selber aus. Es ist ein toller Spaß. Und glaubt´s mir. So einfach ist es gar nicht. Ich werde in jedem Fall in naher Zukunft mal meine Lieblingsbiere gegeneinander antreten lassen. Mal sehen ob ich da ein besseres Gespür habe und vor allem ob ich die einzelnen Biere unterscheiden kann. Bei der Untergiesinger Erhellung oder dem Tegernseer Spezial behaupte ich bis heute felsenfest, dass ich sie erkenne. Wir werden sehen.

Ach ja, und wer einen Vorschlag für ein tolles Kellerbier hat: nur her damit. Vielleicht werde ich ja positiv überrascht.

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