Leseprobe Götterzorn (Serva V)

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Ein neuer Progagonist: Der Kannibale

Nicht mehr allzu lange und das Buch „Götterzorn“ aus der Serva – Reihe erscheint. Und es geht in der Reihe spannend weiter. Ein neuer Protagonist wird ins Rennen geschickt und er wird mächtig für Aufregung sorgen. Auch die Götteropfer werden mit ihm in Kontakt treten. Woher kommt der Kannibale? Was ist seine Geschichte? Nun, wer das herausfinden möchte, der muss das Buch lesen. Gespoilert wird nicht. Dennoch gibt es eine kleine Leseprobe aus dem neuesten Buch. Wann es veröffentlicht wird, werde ich hier auf meiner Internetseite bekannt geben. Am Besten du trägst dich in meinen Newsletter rechts ein, um nichts zu verpassen.

Leseprobe

Der junge Soldat der shivanischen Königswache war sichtlich nervös. Es gab so viele Geschichten um den Mann, den alle nur den Kannibalen nannten. Er hatte viele Männer und Frauen getötet. Und das Schlimmste, er hatte sie teilweise aufgegessen. Vor allem auch ihr Herz. So erzählte man sich zumindest und der junge Soldat zweifelte nicht daran.

Der junge Soldat folgte seinem Hauptmann und den beiden anderen Kameraden aus der Königswache. Selbst der Hauptmann war nervös, das war deutlich zu spüren. Und das sagte viel aus.

Der Gang entlang der Zellen war lang. Zahlreiche Mörder, Vergewaltiger und Betrüger waren hier eingesperrt. Die meisten waren ruhig. Einige jedoch wurden aggressiv, als sie die Soldaten sahen. Sie fingen an zu spucken und zu schimpfen. Man möge sie doch freilassen. Oder, dass der König zur Hölle fahren sollte. So etwas in der Art.

Der junge Soldat hielt die Luft an. Ein unangenehmer Geruch von Schweiß, Kot und Erbrochenem lag in der Luft. Ein bissiger, scharfer Gestank. Der junge Mann hatte schon viel vom Kerker gehört. Er hatte es sich genauso vorgestellt, doch nun war es real.

«Hey, kleines Bübchen … bock zu ficken?», grinste ein schmieriger Typ hinter seiner vergitterten Türe. Er hatte seine Hose heruntergelassen und onanierte.

Der junge Soldat schaute weg. Nur nicht provozieren lassen.

«Du hast bestimmt eine süße Arschfotze!», grinste ein anderer, als sie ein Stück weitergegangen war: «Komm schon. Drück deinen Arsch an die Gitterstäbe und ich besorge es dir!»

Schweiß bildete sich auf der Stirn des shivanischen Soldaten. Dabei war es hier unten recht kühl.

«Wir sind da!» meinte er Hauptmann und blieb stehen.

Der junge Soldat atmete tief ein und aus. Es würde nicht mehr lange dauern, bis er den schlimmsten Verbrecher aller Zeiten sehen würde. Der Kannibale. Er schaute ehrfürchtig durch die Gitter. Der Gefangene saß ganz hinten in der Zelle. Er rührte sich nicht. Sein Blick war gesenkt.

«Johnny, es wird Zeit. Kommt vor und streckt Eure Hände durch die Gitterstäbe.»

Der Angesprochene begann leise vor sich hin zu singen. Es war ein Lied. Die Soldaten vor der Zelle kannten dieses Lied. Auch der junge Soldat. Gänsehaut breitete sich auf seinem Körper aus. Ein eiskalter Schauer erfasste ihn. Dieses Lied sangen die Kinder auf der Straße. Es war ein unheimliches Lied.

Leise, leise, still mein Kind,

ist es Er oder nur der Wind?

Gehst du nachts durch dunkle Gassen,

bekommt Johnny dich schnell zu fassen.

Hörst du die Schritte in der Nacht?

Hörst du, wie er leise lacht?

Ist er dann mal hinter dir,

er hat keine Gnade, glaube mir.

Spür die Angst und spür den Schmerz,

Er reißt dich auf und frisst dein Herz.

«Wird´s bald?», fragte der Hauptmann und schlug mit dem Schwert gegen die Eisenstäbe: «Der König wartet.»

Langsam erhob sich der Kannibale. Er kam auf die Stäbe zu.

Selbst der Hauptmann wich noch einmal weiter zurück.

«Hallo!», grinste Johnny. Seine Augen waren schmal und sein Blick durchdringend. Die Lippen schmal. Sein Haar war wirr. Körperlich war er kräftig, aber doch schlank.

«Die Hände durch die Stäbe. Beide!», befahl der Hauptmann.

Johnny blieb an den Gitterstäben stehen und schaute die Männer abwechselnd an. Schließlich blieb sein Blick an dem jungen Soldaten hängen: «Er ist zum ersten Mal hier!»

«Ja, bin ich!», sagte der junge Soldat.

Der Hauptmann schaute ihn böse an: «Du sollst ihm nicht antworten. Gehe nicht auf ihn ein.»

«Wie heißt du, mein Junge?», fragte Johnny.

Der junge Soldat antwortete nicht. So wie es der Hauptmann noch einmal ausdrücklich befohlen hatte.

«Verstehe!», murmelte der Kannibale: «Euer Spiel, eure Spielregeln!»

«Ganz genau!», sagte der Hauptmann barsch.

«Nun gut, Hauptmann. Ihr glaubt es im Griff zu haben. Und das ist gefährlich. Gefährlich für Euch. Gefährlich für Eure Männer. Und das wisst Ihr.»

«Ich habe es im Griff!», sagte der Hauptmann.

«Ihr habt nicht einmal Euer Leben im Griff.»

«Was wisst Ihr schon?»

Johnny grinste: «Eure Frau hat Euch verlassen. Seit etwa einer Woche. Euch geht es finanziell nicht gut. Ihr habt Euch verschuldet. Ihr trinkt zu viel, weil Eure Probleme überhandnehmen. Nennt ihr das etwa Euer Leben im Griff haben.»

Der Hauptmann schaute ihn verwundert an: «Woher wisst Ihr das? Niemand …»

«Schaut Euch an. Der Stoff Eures Militäranzuges war immer sauber und glatt. Ein Werk Eurer Euch liebenden Frau. Also hat sie Euch verlassen. Eure Offiziersbrosche ist defekt. Kein Offizier läuft lange mit einer kaputten Brosche herum. Ihr hingegen schon seit einer Woche. Vermutlich seid Ihr gerade knapp bei Kasse, denn diese Broschen sind teuer. Ihr seid ein Spieler. Ihr habt nervöse Ticks, wie ich es nur von Spielern her kenne. Und Ihr riecht dauerhaft ein wenig nach Alkohol in den letzten Tagen.», sagte Johnny und kam dann ganz dicht an die Gitterstäbe heran: «Also erzählt mir nicht, dass Ihr Euer Leben im Griff habt.»

«Ihr habt blühende Fantasie!», sagte der Hauptmann und schluckte. Ihm war klar, dass der Kannibale recht hatte. In allen Punkten. Doch er wollte sich nicht die Kontrolle aus der Hand nehmen lassen. Er war der mit dem Schwert und Johnny war derjenige, der hinter den Gittern stand: «Nehmt also Eure Hände durch die Gitterstäbe!»

Der Kannibale nickte und schob dann seine Arme zwischen zwei eisernen Stäben hindurch.

Die zwei erfahreneren Soldaten legten die Fesseln an.

«Geht nun zurück!», befahl der Hauptmann.

Johnny gehorchte. Zog seine Hände durch die Gitterstäbe zurück in die Zelle und blieb dann in der Mitte des Raumes stehen.

«Ladet Armbrüste durch!», befahl der Hauptmann den beiden älteren Soldaten.

Sie gehorchten. Zielten dann auf die Zelle.

«Du, Rekrut!», sagte der Hauptmann: «Du kommst mit mir rein und legst ihm die weiteren Fesseln an. Bleibe hinter ihm. Schau ihm nicht in die Augen. Und vor allem bleib aus der Schusslinie!»

Der junge Soldat zitterte. Panik erfüllte seinen Körper. Adrenalinstöße pumpten durch sein Blut. Er nahm die Fesseln fest in die Hand. So sehr, dass es schmerzte.

Dann öffnete der Hauptmann die Türe.

 

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