Zwischen Wischmob, Küche und Kindererziehung

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… wie mein Idealbild von einer Hausfrau verschwand

Ein Erfahrungsbericht von der Buchmesse in Hofheim. Das liegt irgendwo zwischen Frankfurt und Wiesbaden.

Bildrechte: Elizaveta Larionova / depositphotos.com

Wie viele Jahre hat meine Mutter dagegen angekämpft: gegen die Vorurteile der Männer in meiner Familie. Gegen Vater, Onkel, Schwiegervater und all den anderen Zipfelträgern. Die aus mir „einen richtigen Mann“ machen wollten. Ein Mann muss ein bestimmtes Frauenbild haben. Das sah sowohl der bayerische als auch der schwäbische männliche Teil der Familie so. Aber sowohl meine Mutter als auch meine Tante kämpften mutig dagegen an. Und machten aus mir ein Muttersöhnchen. Das vor allem eines lernte: eine Frau ist dem Mann ebenbürtig und genauso viel Wert. Und vor allem lehrten sie mir eines, nämlich dass die Aufgabe einer Hausfrau genauso wichtig und bedeutend ist wie jeder Job, der bei uns in der Familie von Männern gemacht wurde.

Nun, 1971 war ich noch nicht geboren. Aber damals lag der Anteil der Hausfrauen an der Gesamtzahl der Frauen bis 65 Jahre immerhin bei 55 Prozent. Bis zu meiner Geburt und noch weiter bis heute sank die Anzahl erheblich. Laut dem Bericht von haushaltsfee.org waren 2011 nur noch 28 Prozent der Frauen richtige Hausfrauen. Meine Mutter hat mir immer beigebracht, wie viel Arbeit dahinter steckt. Organisieren, planen, coachen, kontrollieren und motivieren. Bezahlt wird eine Hausfrau, oder modern gesehen, eine Familienmanagerin, nicht. Aber sei´s drum. Das ist gar nicht das Thema. Wichtig ist, dass ich gelernt habe wie wichtig die Rolle einer Hausfrau ist und dass man als Mann diese Aufgabe wertschätzen muss. Und immer wenn mir eine Frau begegnete und mir sagte, dass sie Hausfrau sei, war ich voller Achtung und Respekt. Ja, diesen „Job“ habe ich gelernt nicht nur zu respektieren sondern hoch anzuerkennen.

Meine Erziehung – in nur wenigen Stunden wurde sie vernichtet

Und dann kam das Jahr 2017. Eine Buchmesse bei Frankfurt. Alles was meine Mutter mir beigebracht hatte, löste sich plötzlich in Rauch auf. Die Traumblase platze. Da lernte ich erstmals ganz viele Hausfrauen kennen. Es war wie ein Schwarm von Heuschrecken Und sie hatten vor allem eines: viel Zeit. Entweder um Bücher zu lesen oder um Bücher zu schreiben. Ich habe noch nie so viele Hausfrauen mit so viel Zeit gesehen Nicht nur für Literatur. Auch Zeit zum Hugo trinken. Aber vor allem für Literatur. Zeit um über Bücher zu reden oder eben Bücher selbst zu schreiben. Die Buchmesse ist voll davon. Voll von lauter schreibenden und lesenden Hausfrauen. Und heute weiß ich: Zwischen Wischmob, Küche und Kindererziehung ist immer noch Zeit für ein Buch.

Also Mama: danke für deine emanzipatorischen Worte. Aber ich glaube dir kein Wort.

Achtung: dieser Text ist unter der Kategorie „Satire“ veröffentlicht.

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