TSV 1860 München steigt in Regionalliga ab

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Der TSV München von 1860 auf dem Weg nach unten

Es ist ein tiefer Fall, den der Traditionsverein TSV München von 1860 erleiden musste. In der Relegation gegen Regensburg am 30. Mai 2017 verloren die Münchner Löwen mit 0:2 und stiegen damit in die 3. Liga ab. Doch damit nicht genug. Einige Tage später machte Investor Hasan Ismaik dem Verein klar, dass er kein Geld für die Lizenz in der 3. Liga überweist. Die Folge: Zwangsabstieg in die bayerische Regionalliga.

Ein Kampf um die Zukunft des Vereins hat begonnen. Die Fans sind gespalten. Einige halten noch zu dem Jordanier Hasan Ismaik, der viele Millionen investiert hat, seinen Wunschtrainer installiert, neue Spieler geholt und einen neuen Geschäftsführer an die Grünwalder Straße gebracht. Doch der Geschäftsführer Ian Ayre (ein Top-Manager aus England) gab bereits vor dem letzten Spiel seinen Posten ab. Vor dem Ende des Relegationsspiels legte auch Peter Cassalette seinen Posten als Präsident nieder. Die Verweigerung der Zahlung an den Verein durch den Investor war schließlich der Dolchstoß. Grund für die Nichtzahlung: angeblich hat der Verein einige seiner Bedingungen nicht erfüllt. Der dementiert und meint, was möglich gewesen wäre, hätten sie auch umgesetzt. Doch Ismaik ist vor allem dafür bekannt, dass er die 50+1 Regel außer Kraft setzen möchte.

Wir sind Löwen, und ihr nicht !

Ein tiefer Grafen auch zwischen den Fans. Manche stehen noch hundert Prozent hinter dem Investor. Hoffen, dass er sie wieder ganz nach oben führt. Doch Hasan Ismaik möchte vor allem eines: die Alleinherrschaft.

Vom Retter zum Totengräber

Er hat so manchem Fan Hoffnung gebracht. Der jordanische Investor aus Abu Dhabi. Der Millionen investierte um den TSV München von 1860 auf Augenhöhe mit dem roten Nachbarn zu sehen. Um nach oben durchzumarschieren. Um in der Champions League mit den ganz großen zu kämpfen. Anfänglich um in Deutschland als Investor Fuß zu fassen. Später war er dann „einer von uns“. Heute schreibt seine Presseagentur, die grundsätzlich jedes Wort für ihn verfasst „Einmal Löwe, immer Löwe“ drunter. Er ist ein Herzblut-Fan geworden. Er liebt 1860 München mehr als alles Andere. Manchmal hätte ich es ihm fast abgekauft. Aber als er von einem großen Stadion mit über 50.000 Zuschauern sprach, dazu noch ein Hotel, ein Trainingszentrum, ein Einkaufszentrum und sogar einen Löwen-Park in dem von jeder Löwenart einer zu sehen ist, da wurde ich wieder in die Realität zurückgerufen. Damit kann er pubertierende Jungs begeistern, mich nicht. Er hat durchaus wirtschaftliche Interessen. Okay, er ist Geschäftsmann. Zugegeben ein äußerst kritischer Geschäftsmann. So einige Sachen in seiner Vergangenheit sind nicht ganz so rein. In den Arabischen Emiraten lief so manches schief. Aber Schwamm drüber. Wir sind nicht nachtragend. Und im Grunde ist nichts dabei, einen Verein zu lieben und ihn zu unterstützen und gleichzeitig nicht nur damit Geld zu machen sondern sich auch weiter in München geschäftlich auszubreiten. Das war ohnehin von Anfang an sein Ziel. Und dass meine ich ganz ernst, das finde ich okay. Praktisch eine Win-Win-Situation. Aber alles was bei ihm an Ideen schief geht wird schöngeredet. Von seiner Presseagentur, die sich weiterentwickelt hat. Habt ihr das von Anfang an verfolgt? Sie wurde besser, manipulativer und vor allem zielgruppenorientierter. Und sie hat ein besonderes Opfer gefunden: den hoffnungsvollen Fan. Die Stadionfrage ist immer ein Thema gewesen, dass jeden brennend interessiert. Und als die Stadt die Bremse zieht, als es um ein Stadion und zusätzliche Anlagen geht, die nicht umsetzbar sind, greift er das Thema Grünwalder Stadion auf. Auch das wäre ihm plötzlich recht. Wäre es nicht. Für ihn wäre da kein Geld zu holen. Oder ist er eben doch mehr Fan und will einfach nur das Beste für den Verein? Hasan Ismaiks Presseabteilung arbeitet meist langsam. Nach dem letzten Relegationsspiel tagelang nicht. Aber wer kann es ihm verübeln? Er ist der Verfolgte. Jeder tut ihm Unrecht. Fans schreien im Grünwalder Stadion gegen ihn, der Bürgermeister ist gegen ihn, die Presse ohnehin und am Ende ist es auch der e.V.. Und immer wieder gelingt es ihm Leute davon zu überzeugen, dass er der großherzige „Retter“ ist, der als größter Fan der Geschichte um das Wohl des Vereins besorgt ist. Ja, das ist aber auch einfach. Gegen den Bürgermeister, der ein Roter ist, hat man schnell Anhänger gefunden. Gegen eVler ohnehin, die wurden zwar von Mitgliedern gewählt aber sind ja alle nur bei Sechzig aus Eigennutz. Aber das versteht ja keiner. Geschickt spielt er alle gegeneinander aus. Und selbst jetzt gibt es noch Befürworter. Hasan Ismaik hat die notwendige Summe für die Lizenz in der 3. Liga nicht gezahlt. Wer ist Schuld? Natürlich der e.V., der Bedingungen nicht erfüllt hat. Nein, im e.V. saßen noch nie nur Unschuldslämmer. Das war noch nie so. Aber ganz ehrlich. Die Opferrolle nehme ich Hasan Ismaik noch viel weniger ab. Schade, dass in der Zwischenzeit auch die blaue24.de von Oliver Griss zu einer regelrechten Hetze gegen den TSV in Form des e.V. geworden ist. Widerlich, finde ich. Beer ist dort schuld. Warum? Weil auf blaue24.de das so dargestellt wurde und nun ausgeschlachtet wird. Ja, da war mal was. Beer hat bemängelt, dass 500.000 Euro nicht gezahlt worden sind. Auf einer Mitgliederversammlung der Abteilung. Wo sonst, wenn nicht auf einer Mitgliederversammlung hätte er dies kundtun sollen? Es ist seine Pflicht gewesen. Er ist gegenüber den Mitgliedern Rechenschaft schuldig. Aber nein, am Ende ist dass der Grund warum Hasan Ismaik beleidigt ist. Und ganz am Schluss trägt er sogar die Mitschuld, dass Hasan Ismaik nicht gezahlt hat. Glaubt man den beiden Vizepräsidenten des Vereins, dann war Hasan Ismaik nicht wirklich gesprächsbereit. Das sehen Ismaik-Befürworter anders, ich weiß. Aber ich glaube ihnen. Hasan Ismaik ist der Totengräber für unseren Verein geworden. Er wollte Macht und noch mehr Macht. Wenn man ihm die Frauenkirche angeboten hätte, er hätte sie gekauft. Weil mit Geld alles möglich ist. Nun ja, Gott sei Dank nicht. In Abu Dhabi gibt es ein Gesetz: die 51 Prozent-Regel. Jedes Unternehmen muss mindestens zu 51 Prozent einem Emiraten gehören. Damit kein ausländischer Investor zu viel Macht bekommt. In Deutschland wettert Ismaik gegen die 50+1-Regel. Er wird sie schon zu Fall bringen weil sie nicht gerecht ist. Ja, das sagt einer, der in einem Land wohnt wo diese Regelung für ALLE Unternehmen gilt.
Nein. Er wird nicht als Retter von 1860 in die Geschichte eingehen. Sondern tatsächlich als Totengräber. Glaubt man ihm, dann bleibt er. Auch jetzt wo es in die Regionalliga geht. Weil: Einmal Löwe, immer Löwe. Nun ja. Damit hängen wir an seinem Tropf. Der Verein wird am Leben erhalten und die KGaA kann nicht in die Insolvenz gehen. Weil das wird er nicht akzeptieren. Dann ist nämlich sein Geld für immer weg und 1860 ist frei. Wenn auch leider vollkommen im Nichts der Fußballwelt angekommen. Aber genau das wünsche ich mir: frei sein. Denn tief gefallen sind wir ohnehin schon.

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Arik Steen ist Autor aus München und Betreiber der Homepage. Seine Leidenschaft gilt der Literatur, seinen Schlittenhunden, dem TSV 1860 München, gutem Bier und Whisky, Lifestyle sowie der Erotik.

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